Das Feuer

Freund und Feind des Menschen

Das Feuer, nach der Lehre des griechischen Philosophen und Naturforschers Aristoteles eines der vier Elemente, war von größtem Einfluss auf die Naturanschauung vieler Jahrhunderte. Im Altertum hielt man es für etwas Materielles. Wasser, Feuer, Luft und Erde haben sich im populären Sprachgebrauch bis in die heutige Zeit erhalten. Seit wann der Mensch Herr über die Urgewalt des Feuers ist, kann nicht beantwortet werden.

Die meisten Naturvölker, die den Gebrauch des Feuers überhaupt kannten, verehrten es als eine geheimnisvolle Macht an sich, oder als Symbol und Erscheinungsform übersinnlicher Wesen. Die Flamme wurde als ein lebendiges, bald wohltätiges, bald zerstörendes Element betrachtet. Man suchte durch allerlei Kult das verzehrende Element zu versöhnen und bei guter Laune zu erhalten. In allen Teilen der Erde, in Mexiko wie in Peru, in Indien wie in Deutschland und Gallien, in Griechenland und Rom, überall durfte das heilige Feuer des Altars nicht von anderem Feuer genommen werden. Es wurde durch Quirlen trockener Hölzer, in Griechenland und Rom auch mit Hilfe von Brenngläsern - als "jungfräuliches Urfeuer" - erzeugt. Einige dieser Bräuche finden auch heute noch Anwendung, so z.B. die Weihe des Feuers in der Osternacht beim Christentum, der Stafettenlauf mit dem olympischen Feuer vom griechischen Berg Olymp, die Segnung des Johannisfeuers. Die reinigende Kraft des Feuers soll die Flamme der sich selbst verzehrenden Kerze, auch das Fegefeuer, symbolisieren. In manchen Ländern ist es unschicklich, an einem Streichholz zwei Zigaretten zu entzünden. Die Flamme ist geheimnisumwittert und übt auch auf uns zivilisierte Menschen eine magische Kraft aus.

Der Volksaberglaube bemächtigte sich ebenfalls des Feuers. Das "Feuerbesprechen" wurde gewissen Menschen zugestanden. Sie waren angeblich im Besitz geheimer Kräfte, einer Feuersbrunst durch vorgebliche Zaubersprüche und -formeln ("Feuersegen") zum Erlöschen zu bringen. Ein sächsisches Edikt aus dem Jahre 1742 schrieb vor, auf Holzteller geschriebene "Feuersegen" vorrätig zu halten und die im Bedarfsfall in das Schadensfeuer zu werfen. Ein berühmtes Gemälde von Raffael "Der Brand in Borgo" (im Vatikan) soll bekanntlich die Beschwichtigung des entfesselten Elements durch den Papst Leo IV. darstellen.

Im Feuer liegt etwas Geheimnisvolles, für Mensch und Tier Unheimliches, dem das Einzelwesen früherer Zeiten machtlos ausgeliefert war. Manchmal gelang es ihm zu entfliehen, doch es gab auch Situationen, in denen das Individuum ein Opfer der Urgewalt wurde. Der vom herumziehenden Jäger zum sesshaften Bauern gewordene Mensch begann das Feuer noch mehr zu fürchten, denn es bedrohte seine Habe, seine Wohn- und Vorratsstätte. Es ist nicht überliefert, in welcher Form sich die Menschen damals zur Wehr setzten, doch darf angenommen werden, dass sie mit primitiven Mitteln, wenn auch furchtsam, den Kampf gegen das Feuer aufnahmen.

Der Mensch nimmt den Kampf gegen das Feuer auf.

Von den Löschanstalten der alten Kulturvölker ist wenig bekannt. Die Geschichte erzählt uns lediglich, von den schrecklichen Bränden in Sodom und Gomorrha, in Ninive, Karthago und von dem Riesenbrand Roms im Jahre 64 n. Chr. In Deutschland zeigten sich die ersten Anfänge einer Feuerlöschordnung erst im 13. Jahrhundert. Es mag sein, dass die Entstehung und Entwicklung der Städte und die zum Schutz der deutschen Landschaft angelegten Burgen mit ihrer erhöhten Brandgefahr den Anlass zu Feuerordnungen gab. Man kann mit Sicherheit annehmen, dass bei der damaligen Bauweise durch eine Feuersbrunst ganze Dörfer, Burgen und Städte vernichtet wurden.

Zu dieser Zeit wurden vermutlich auch in unserer Heimat die Mönchsniederlassung der Schottenabtei in Regensburg und später das Schloss, sowie einige Dörfer der Umgebung ein Raub der Flammen. Damals wurden bei Bedrohung von Haus, Hof, Eigentum und Gesundheit nach den alten Feuerordnungen die nicht eingeübten Massen zur Hilfeleistung aufgeboten, so wie sich in früheren Zeiten die Bewohner von Dörfern und Städten zur Abwehr äußerer Feinde zusammenschlossen.

In der Geschichte des deutschen Feuerlöschwesens kann man vier Perioden unterscheiden:

·        Anfang des 16. Jahrhunderts brachte die Einführung der Feuerspritzen eine Wende in der Feuerbekämpfung, "welche zum Zweck des Löschens von Feuersbrünsten Wasser in springendem Strahl in die Höhe treiben". Das Pumpwerk war auf einem fahrbarem Gestell angebracht "und wird auf diesem durch Menschen oder Zugvieh zum Orte der Gefahr befördert, an Ort und Stelle durch Menschenkraft in Betrieb gesetzt".
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·         Ausgangs des 17. Jahrhunderts erfand man die Schläuche und Zubringer. Die Ausrüstung mit Feuerlösch- und Schutzgerätschaften verbesserte sich immer mehr. Die Gemeinden konnten durch das Gemeindeedikt von 1818/34 zur Anschaffung von Geräten Umlagen erheben und die Ortsbewohner anhalten, kleinere Löschgerätschaften zu beschaffen und bereitzuhalten. Ferner wurden die Ortsbewohner aufgrund distriktpolizeilicher Feuerlöschordnungen zum aktiven Feuerwehrdienst herangezogen. Die Sorge für das Feuerlöschwesen oblag nach diesem Edikt dem Gemeindevorsteher, der als Dorfpolizei fungierte. Die Feuerwehrdienstpflicht bestand nicht gegenüber der Gemeinde, sondern gegenüber dem Staat.
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·         Als dritte Periode kann man die Mitte des 19. Jahrhunderts, die Zeit der Gründung von freiwilligen Feuerwehren, bezeichnen. Aus den Turnvereinen heraus bildeten sich militärisch organisierte Feuerwehren. Ihre Aufgabe war es, die vom Staat erlassenen distriktpolizeilichen Feuerlöschordnungen durchzuführen. Es waren die als Vereine des privaten Rechts entstandenen "Lösch- und Rettungskorps" oder "Rettungsvereine bei Feuergefahr". Das älteste deutsche Landesgesetz für Feuerlöschwesen dürfte die 1775 erlassene königlich-sächsische Dorffeuerordnung sein.

In den 40er und 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann man in Deutschland für den Löschdienst bestimmte Mannschaften heranzubilden. Die erste deutsche Feuerwehr entstand 1841 in Meißen, die erste bayerische 1846 in Durlach. Diese beiden Gründungen gaben den Anstoß zu zahlreichen Zusammenschlüssen dieser Art. So entstanden die aus dem Turnverein Nürnberg hervorgegangene Freiwillige Feuerwehr Nürnberg und die älteste heute noch bestehende Feuerwehr in Augsburg. Ihre Gründung erfolgte 1849 als Rettungsverein bei Feuergefahr. Die erste bayerische Dorffeuerwehr fand sich 1862 in Zirndorf zusammen.

Reichten die freiwilligen Meldungen nicht aus, da die berufstätigen Menschen nicht immer greifbar waren, organisierte man eine Berufsfeuerwehr. Als Muster für die größeren Städte Deutschlands galt die 1851 zusammengestellte Berufsfeuerwehr in Berlin, eine Nachahmung des französischen Vorbildes.

Die einzelnen bayerischen freiwilligen Feuerwehren schlossen sich untereinander zu freiwilligen Verbänden zusammen. 1868 gründete sich der "Landesverein der sämtlichen Feuerwehren Bayerns", basierend auf einer königlichen Weisung an alle Gemeinden, freiwillige Feuerwehren zu gründen.

Nach dem Kriege 1870/71 fand das Feuerlöschwesen in Bayern staatliche Förderung und wurde immer besser ausgebaut. In diese Zeit fallen die Gründungen von Freiwilligen Feuerwehren in unserem Raum, z.B. in Regensburg, Schwandorf, Burglengenfeld, Teublitz und schließlich 1872 in Münchshofen. Es kann den Gründern der öffentliche Dank nicht oft genug ausgesprochen werden, denn die Wehren haben für die Allgemeinheit Hervorragendes geleistet. Heute besitzt fast jede bayerische Gemeinde ihre eigene Feuerwehr. Wie hoch die Arbeit der Feuerwehrvereine von der Regierung eingeschätzt wurde, geht aus einer königlichen Verordnung aus dem Jahre 1884 hervor, die genaue Bestimmungen über die Verleihung von Ehrenzeichen für Mitglieder der Feuerwehren enthält.

·        Die vierte Periode ist die Organisation und Ausstattung der Feuerwehren mit modernsten Geräten in der neuesten Zeit. Ihr Wirkungsbereich erweitert sich immer mehr und umfasst auch die Bergung Verletzter aus Fahrzeugen. Das Ausbildungsprogramm der Bayerischen Landesfeuerwehrschule in Regensburg ist darauf abgestimmt.

Das vergangene Jahrhundert kann als Sternstunde für die Menschheit bezeichnet werden. Zwei Organisationen wurden ins Leben gerufen, die sich die Aufgabe stellen, in Not geratenen Menschen Hilfe angedeihen zu lassen: Die sich immer besser entwickelnden Feuerwehren, als Retter aus Feuersnot und Unglücksfällen und das Rote Kreuz, geboren auf dem Schlachtfeld von Solferino. Diese beiden Institutionen verkörpern Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit. Sie haben sich das hohe Ziel gesetzt:

 

Dienst am Nächsten !

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