Von der Gründung bis Ende des 19. Jahrhunderts

Aufgrund der schon erwähnten königlichen Weisung in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts an die königlichen Bezirksämter und Gemeinden entschloß sich der damalige Gemeindevorsteher Pirzer zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr. Er hatte nach der Gemeindeordnung von 1869 das Amt der Dorfpolizei inne und mußte sich auf Drängen des königlichen Bezirkamtes Burglengenfeld um die Durchführung des Feuerlöschwesens in Münchshofen kümmern. Im Jahre 1872 zählte Münchshofen mit seinen Ortsteilen Oberhof, Stocka und Frauenhof etwa 420 Einwohner.

Mit nicht unerheblichen Mitteln förderte der Staat den Aufbau der freiwilligen Feuerwehren. Nach den damaligen Bestimmungen waren die Feuerlöschanstalten Einrichtungen der örtlichen Polizeiverwaltungen. Die freiwilligen Zusammenschlüsse im Sinne vereinsrechtlicher Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches ermöglichten die freiwillige Durchführung der von Staats wegen erlassenen Feuerlöschordnungen. Deshalb ist es auch zu erklären, warum gerade um diese Zeit viele Feuerwehren gegründet wurden, wie z.B. 1867 in Nittenau, 1868 in Nabburg und Schorndorf, 1869 in Burglengenfeld und 1870 in Teublitz und Schmidmühlen.

Für die zu dieser Zeit amtierenden Dorfvorsteher war es wie auch für Bürgermeister Pirzer ein großes Anliegen, in ihren Gemeindebereichen freiwillige Feuerwehren ins Leben zu rufen. Aber nicht nur die Ortsvorsteher wurden diesbezüglich angesprochen, sondern auch die Dorfgeistlichen, wie aus einem Aufruf der Königlichen Landesregierung aus dem Jahre 1791 bereits ersichtlich ist, in dem es heißt: ".. und es ist der unfehlbare große Nutz von dem Ortsbeamten und Pfarrer dem Volke begreiflich zu machen!".

Am 11. August 1872 fanden sich in Münchshofen im Gasthaus Georg Hintermeier verantwortungsbewußte und interessierte Gemeindebürger auf Einladung des Bürgermeisters zusammen. Unter ihnen weilte auch der für die Ortschaft zuständige Geistliche der Pfarrei Wiefelsdorf, Pfarrer Feuchtmeier, der seit dem Mai 1871 diese Gegend kirchlich betreute. Über die Versammlung selbst ist urkundlich nichts erwähnt. Sie wird aber auch nicht anders verlaufen sein als sie heute über die Bühne geht, mit Aufrufen, Appellen und heftigen Diskussionen.

Scheinbar erklärte sich Pfarrer Feuchtmeier bereit, die Schirmherrschaft über den neuzugründenden Feuerwehrverein zu übernehmen und wird in der nachfolgenden Wahl einstimmig zum Vorstand gewählt worden sein. Nun hatte Münchshofen einen "Verwaltungsrat" der Freiwilligen Feuerwehr und einen tatkräftigen Vorstand und Protektor, nämlich Pfarrer Feuchtmeier aus Wiefelsdorf.

Nach den Aufzeichnungen im noch vorhandenen Stammbuch aus dem Jahr 1872 verteilen sich die "Chargen" des Verwaltungsrates der Freiwilligen Feuerwehr wie folgt:

            Pfarrer Feuchtmeier, Vorstand und Protektor

            Matthias Mayer, Schloßverwalter, Kommandant

            Michl Strasser, Fabrikarbeiter, Adjutant

            Georg Hintermeier, Gastwirt, Kassier

            Adam Schindler, Ökonom, Schriftführer

            Georg Neuhierl, Fabrikarbeiter, Zugführer

            Josef Binner, Gütler, Spritzenmeister

            Michl Duschinger, Fabrikarbeiter, und

            Franz Blank, Ökonom, Beisitzer

Der Verein bestand zu diesem Zeitpunkt aus 46 Mitgliedern. Eine neue Kameradschaft ist entstanden. Man hat sich ein hohes Ziel gesetzt. Würde man es erreichen? Man hatte es sich jedenfalls vorgenommen, und nachdem die Wahl glücklich vorüber war, wird es bestimmt eine lange und feuchte Nacht im Gründungslokal Hintermeier geworden sein. Auch darüber und über die möglichen Auswirkungen ist nichts aufgezeichnet.

Noch steht die Feuerwehr bloß auf dem Papier, aber bald beginnt der Dienst unter dem aktiven Kommandanten Matthias Mayer. Die Freiwillige Feuerwehr ist eingeteilt in eine Steiger-, eine Retter- und eine Spritzenrotte (in etwa vergleichbar mit dem heutigen Wasser-, Lösch- und Schlauchtrupp). Die Männer üben unter dem Kommando ihres Kommandanten die für den Ernstfall notwendigen Handgriffe, um in kürzester Zeit einsatzbereit zu sein. Ob schon von Anfang eine zweirädrige Handspritze vorhanden war oder ob man mit dem Löscheimer übte, läßt sich heute nicht mehr feststellen.

Als am 22. April 1874 ihr Vorstand und Protektor, Pfarrer Feuchtmeier von Wiefelsdorf, versetzt wurde, übernahm der bisherige Schriftführer, Herr Adam Schindler, Ökonom aus Oberhof, den Vorsitz, den er die nächsten elf Jahre bis 1885 führte. Am 12. Februar 1885 "quittierte" er aus irgend einem Grund seine Charge und der bisherige Hauptmann Matthias Mayer rückte an seine Stelle ein.

Nach einer 1884 angelegten Mitgliederliste im Stammbuch übernahm der Gütler Johann Ehrenreich (Veitl) die Kassenführung. Rottenführer waren in dieser Zeit der Fabrikarbeiter Georg Forster und der Fabrikaufseher Peter Schmid, der vom Fabrikarbeiter Josef Ehrenreich (Veitl) abgelöst wurde, als Schmid 1885 die Kommandantenstelle übernahm. Der Ökonom Michl Feuerer aus Oberhof fungierte als Adjutant, der Fabrikarbeiter Johann Schmid und der Schuhmacher Josef Weilhammer waren Spritzenmeister. Neuer Zugführer war bis 1893 der Fabrikarbeiter Michl Duschinger, gefolgt von dem aus Schönsee zugezogenen Zimmergesellen Johann Forster. Erwähnt werden ferner als Hornisten die Fabrikarbeiter Johann Rojer (Gerer) und sein Bruder Josef und ab 1886 der Fabrikarbeiter und Gütler Josef Feuerer als Signalist. Beisitzer war der Gütler Johann Ehrenreich (Schneck) bis 1886. Die Freiwillige Feuerwehr setzte sich aus 49 Mitgliedern zusammen.

Nachweislich hatte die Freiwillige Feuerwehr Münchshofen 1895 mit ihrem rührigen Kommandanten Peter Schmid den ersten Großeinsatz in der eigenen Ortschaft. Am 10. Juli, es war ein schwüler, gewittriger Sommertag, feierte die Nachbarortschaft Teublitz ihr 25jähriges Feuerwehr-Gründungsfest. Am Spätnachmittag als die Festfeierlichkeiten vorüber waren, zogen schwere Gewitterwolken auf. Grelle Blitze zuckten über den Himmel. Plötzlich - ein gewaltiger Schlag, und kurze Zeit darauf stand das Anwesen Ehrenreich (Veitl) am Hang des Münchshofener Berges in hellen Flammen. Das Feuerhorn gellte durch die Ortschaft, Feuerwehrmänner eilten aus allen Richtungen zur Brandstätte, auch in Teublitz fand das Fest einen jähen Abschluß. Am Brandort ertönten Kommandos, Schläuche wurden ausgerollt, die Retter hasteten umher und bargen den Hausrat, alles klappte, aber das Feuer war zu gewaltig. Die technischen Mittel reichten nicht aus, trotz aller Bemühungen der emsigen Feuerwehrleute - der Brand konnte nicht niedergekämpft werden.

Dieses für Münchshofen seit langem erste schreckliche Brandunglück mag viele Ortsbewohner bewogen haben, der Feuerwehr beizutreten, denn um das Jahr 1895/96 ist der Zugang zur Wehr größer denn je. Das Stammbuch weist zu diesem Zeitpunkt insgesamt 57 Mitglieder aus, die im Dienste der Freiwilligen Feuerwehr standen.

In dieses Jahr fällt ein Ereignis, welches die älteren Gemeindebürger mit Schmunzeln überlieferten: Das Haberfeldtreiben in Münchshofen.

Wie kam es zu diesem Ereignis? Was ist das überhaupt, werden viele der Jüngeren fragen. Das Haberfeldtreiben war eine Art Volksjustiz, vor allem in Oberbayern - an solchen Personen ausgeübt, deren Vergehen und Laster dem Arm der Rechtspflege unerreichbar waren.

Münchshofen hatte zwei praktizierende Hebammen, wovon eine im Haus Nr. 15 wohnte. Irgendwann abends begann es. Steine flogen auf das Dach, Fenster wurden eingeworfen, Holzscheite schwirrten durch die Haustüre. Aus dem Dunkeln geworfen von Unbekannt, wie die Bewohner von Nr. 15 unter Schreien und Jammern angaben. Dies geschah in unregelmäßigen Abständen über einen längeren Zeitraum hinweg. Der Gendarm wurde bemüht, er konnte trotz "eifriger" Recherchen die Übeltäter nicht ausfindig machen. Von der Gemeinde aus wurden Patrouillen eingesetzt, die des Nachts lauerten - nichts! Der Spuk ging weiter. Jeder war verdächtig. Eigenartig erschien manchem, daß bei eingeworfenen Fensterscheiben die Glasscherben außerhalb des Hauses lagen. Kurzum, es kam zu einer Gerichtsverhandlung im Amtsgericht Regensburg. Es gab keinen Schuldigen! Mit dem Spuk war es zu Ende, bis - ja bis eines Tages das Haus Nr. 15 in Flammen aufging. Es ist nur den Männern der Feuerwehr zu verdanken, daß der Brand eingedämmt werden konnte und das Haus nicht bis auf die Grundmauern niederbrannte.

Um die Jahreswende 1898/99 erfolgte in der Vereinsführung wieder ein Wechsel. Der Wirt von Stocka, Josef Viehauser, seit 1896 bei der Münchshofener Wehr, löste den altbewährten und tüchtigen Matthias Mayer als Vorstand ab. Um diese Zeit waren noch 13 Gründungsmitglieder aktiv am Feuerwehrdienst beteiligt. Die letzten, nämlich Johann Ehrenreich (geb. 1849) und Josef Schmid (geb. 1854) finden noch in der Stammliste von 1932 Erwähnung.

Die Treue und Kameradschaft der Feuerwehrmänner selbst über den Tod hinaus dokumentierte sich in einer Einrichtung - der Sterbekasse. Hinterbliebene von verstorbenen Feuerwehrkameraden erhielten vom Verein aus eine einmalige Unterstützung. Der Verstorbene wurde von Feuerwehrmitgliedern auf dem Premberger Friedhof zu Grabe getragen und bei den Klängen einer vom Verein finanzierten Musikkapelle zur letzten Ruhe gebettet. Das Lied vom "Guten Kameraden" war keine Farce.

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