Die Anfänge des 20. Jahrhunderts

Zu Lebzeiten gab es allerdings auch manche Händel untereinander. Kleine Eifersüchteleien, banale Kleinigkeiten, Diskussionen um vereinsinterne Angelegenheiten waren oft der Anlaß. Viel Köpf - viel Sinn! Reibereien zwischen den "Bergerern" und den "Münchshofenern" - kurzum es lag etwas in der Luft.

Wo werden solche Händel auch heute noch am liebsten ausgetragen? Doch wohl in der alkoholgeschwängerten Luft des Wirtshauses. Und je besser das Bier mundet, um so erregter werden die Gemüter. Ein Wort ergibt das andere. Zuerst wird geneckt, dann wird gespöttelt, immer wieder einen kräftigen Schluck aus dem Bierkrug, jeder weiß "es" natürlich besser. Nun ist es passiert! Der schönste Streit ist im Gange. So wird berichtet, daß die beiden Wirte, der vom Berg und der vom Tal, auf diese Weise übereinander kamen. Der Zwist soll mit den Worten sein Ende gefunden haben: "..... dann brauchen wir euch Münchshofener nicht, dann machen wir auf dem Berg eine eigene Feuerwehr auf!", und des größten deutschen Dichters bekanntestes Zitat kam dabei zur Anwendung.

Und so geschah es dann auch! Seit 1908 hatte Stocka seine eigene Freiwillige Feuerwehr.

Der Wunsch, endlich eine Fahne zu besitzen, ging 1908 in Erfüllung. 1910 war eine glanzvolle Fahnenweihe.

Die technischen Geräte wurden immer weiter entwickelt und so erschien die zweirädrige Handspritze als veraltet. 1911 schaffte sich die Münchshofener Wehr eine vierrädrige Handdruckspritze an. Zwar war sie leistungsfähiger als die alte, aber die körperliche Anstrengung der Mannen, die sie bedienen mußten, war um ein Vielfaches größer. Der Dienst an der Spritze war nicht gerade sehr begehrt.

Nun kam eine nicht nur für die Münchshofener Feuerwehr schicksalhafte Zeit. 1914 - Ausbruch des ersten Weltkrieges. Die Schüsse von Sarajevo entfesselten einen Weltbrand, der Millionen von Männern, vom Atlantik bis nach Asien hinein zu den Waffen rief. Viele Deutsche, darunter auch viele Münchshofener Feuerwehrmänner, müssen die "Nibelungentreue" von Deutschland zu Österreich mit dem Leben bezahlen. Die Eintragungen in das Stammbuch geben eine traurige Bilanz wieder: Gefallen - vermißt - gefangen. Die Verbundenheit mit den im Felde stehenden Feuerwehrkameraden zeigt sich in einem 1915 gefaßten Beschluß der damaligen Vorstandschaft (Georg Hintermeier, Josef Schmid, Johann Forster, Wolfgang Lehner und Johann Ehrenreich), jedem Mitglied, das im Felde steht, ein Päckchen zukommen zu lassen.

Der Besuch der Generalversammlung 1915 (es waren 15 Mitglieder) läßt die Lücken ahnen, die durch den Krieg entstanden. Liebgewordene Gewohnheiten mußten aufgegeben werden. Wegen Personalmangels war es nicht mehr möglich, verstorbene Vereinsmitglieder auf den Friedhof zu tragen. Gastwirt Hintermeier erklärte sich deshalb bereit, sie kostenlos zu fahren. Auch die Grabmusik war nicht mehr möglich. Die Hinterbliebenen bekamen 18,- Reichsmark dafür ausbezahlt.

Über die Vereinstätigkeit und die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr Münchshofen während des ersten Weltkrieges ist nicht viel bekannt.

Am 23. Februar 1919 konstituierte sich im Gasthaus Hintermeier anläßlich einer Generalversammlung eine neue Vorstandschaft. Vorstand: Georg Hintermeier, Josef Schmid (Tischler), Kommandant, der dieses Amt in treuer Pflichterfüllung und großem Idealismus bis 1945 innehaben wird, Adjutant Josef Ehrenreich, Schriftführer Johann Forster, Kassier Johann Ehrenreich, Requisitenmeister Andreas Vogl und Zugführer Wolfgang Lehner, ein ebenfalls sehr aktiver Feuerwehrmann.

Anläßlich einer Pflichtfeuerwehrübung im Jahre 1921 trat klar der Unterschied zwischen dem Idealismus der Freiwilligen und dem notgedrungenen Dienst der Pflichtigen zutage. Diese Übung lief, um im Militärjargon zu sprechen, nach dem Grundsatz ab: Wie die Verpflegung, so die Bewegung! Nach Beendigung stand, sage und schreibe, gerne vergessen, die Leiter auf dem Wirtsanger und wartete auf ihren Abtransport.

1922 war für die Feuerwehr Münchshofen wieder Großeinsatz, als das Anwesen Faltermeier durch Blitzschlag in Brand geriet. Ein Musikant, der von einer Musikprobe von Teublitz nach Hause ging, entdeckte den Brand und gab kurz entschlossen, in der Ortschaft Feueralarm. Das Feuer entwickelte sich riesenhaft, aber die Feuerwehren hatten es nach hartem Einsatz bald unter Kontrolle. Ein Jahr später war ein weiterer Einsatz bei einem Großbrand in Waltenhof, wo sich die Münchshofener Wehr bewähren konnte.

In der Vereinskasse war 1923 die Inflation spürbar. Wie das Protokoll der Generalversammlung vom 23. Januar 1923 ausweist, wird der Mitgliedsbeitrag auf 10,- Mark erhöht. Das Sterbegeld für die Gründer Johann Ehrenreich und Josef Schmid sollte 2000,- Mark, für alle übrigen 1000,- Mark betragen. Der Vereinsdiener erhielt jährlich 1000,- Mark, bei vierteljährlicher Auszahlung.

In der Generalversammlung 1929 wurden der bisherige Vorstand Georg Hintermeier und der rührige Kommandant Josef Schmid (Tischler) neu bestätigt. Die Stelle des Kassiers übernahm Georg Duschinger (Herrnberger), der später als Bürgermeister und Initiator des Münchshofener Schulhausbaus eine erfolgreiche Tätigkeit im Dienste der Allgemeinheit leistete. Adjutant wurde Johann Schlagenhaufer und Schriftführer Johann Kraus. 1930 weist die Stammliste insgesamt 116 Mitglieder aus, worunter sich noch zwei Gründungsmitglieder, Josef Schmid und Johann Ehrenreich, befanden.

Der FFW Münchshofen fiel eine neue Aufgabe zu, der Wasserdienst. In einer Besprechung am 3. März 1929 mit dem Bezirks-Feuerwehrvertreter Wolf aus Burglengenfeld wurde vereinbart, daß die Wehr in ihrer Gesamtheit bei Hochwasser auf Anruf der zuständigen Behörden Hilfe leisten mußte. Wasserdienst, Bewahrungsdienst und Brückenbewachung waren die zu erfüllenden Dienstleistungen.

Ein weiterer Löscheinsatz der FFW Münchshofen erfolgte 1931, als die Scheune des Anwesens Feuerer aus Frauenhof in Flammen stand.

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