Die Zeit des Nationalsozialismus

Am 14. Februar 1931 erlitt der Verein einen schmerzlichen Verlust. sein Vorstand Georg Hintermeier, der 23 Jahre lang die Geschicke der FFW Münchshofen leitete, verstarb. Ein Mann, der solange der Wehr vorstand, ist schwer zu ersetzen. Die erforderliche Nachwahl des insgesamt 107 Mitglieder zählenden Vereins bestimmte Maximilian Freiherrn von Moreau zum neuen Vorstand. Seine stete Verbundenheit mit der FFW Münchshofen schon seit dem Jahr 1920 brachte ihm das Vertrauen der Mitglieder ein. Nun investiert Baron von Moreau seine ganze Kraft in sein neues Amt. Er konnte nicht ahnen, daß seine Amtsperiode in eine Zeit fällt, in der alle Vereine und Verbände systematisch beseitigt oder "gleichgeschaltet" wurden.

Noch konnte von Moreau die alte Tradition in den Reihen der FFW Münchshofen erhalten, basierend auf dem Grundgedanken, in Stunden der Not dem Nachbarn Hilfe zu leisten. Doch bald zeigt sich die Allmacht des "Führerstaates", der sich dem Individualismus feindlich gegenüberstellte. Ziel des Staates war es, die persönliche Eigenart zu beseitigen, damit die absolute Herrschaft des Nationalsozialismus vollkommen wurde. Die Freiwilligkeit als treibende Kraft jedes Vereins, versiegte immer mehr. Es gab keine Meinung mehr, es gab keine Diskussionen. Ein einzelner entschied, diesem einzelnen mußte sich die Mehrheit beugen. Das war der Todesstoß für alles Demokratische. Noch konnten sich die Freiwilligen Feuerwehren diesem Würgegriff entziehen, wie es Baron von Moreau mit seiner geschickten Vereinsführung bewies.

Vorstand von Moreau und Kassier Johann Kraus wurden am 14. Januar 1934 in ihrem Amt neu bestätigt. Wolfgang Lehner, ein langjähriger, aktiver Feuerwehrmann, der Schriftführer der zwanziger Jahre, wird Kassier, Zeugwart wird Alois Rojer. In diesem Jahr wurden auch viele treue Mitglieder für ihre 40- und 25-jährige Vereinszugehörigkeit zur FFW Münchshofen mit dem Ehrenzeichen bedacht.

Eine ständige Verbesserung und Modernisierung der Geräte und Einrichtungen einer mit technischen Hilfsmitteln ausgestatteten Organisation ist unerläßlich. So beschließt man 1934 den Kauf der Motorspritze TS 8 Robel. 1935 errichtete man einen Schlauchtrockenturm, wozu das Holz vom Baron von Moreau und dem Gastwirt Hintermeier kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Zimmermann Pirzer übernahm ebenfalls kostenlos das Aufstellen. Man war schon wieder ein Stück moderner geworden.

Das erste eigenwillige Eingreifen des Staates in das interne Vereinsleben zeigte sich 1936. Die FFW Stocka wurde aufgelöst und die Feuerwehrkameraden von Stocka, Oberhof und Frauenhof wurden der FFW Münchshofen zugegliedert. Ihre 28jährige Eigenständigkeit, damals mühsam erkämpft, ging damit verloren. Der "Druck von oben" verstärkte sich immer mehr. Durch ein Reichsgesetz vom 28.11.1938 löste die Regierung die Vereine und Verbände der Freiwilligen Feuerwehren auf. Sie kamen als technische Hilfspolizeitruppe unter staatliche Aufsicht und hatten im Auftrag der Ortspolizeibehörde tätig zu sein. Die Organisation wurde bis ins Detail einheitlich geregelt. Die Kosten für den Aufwand der Feuerwehren hatte nach wie vor die Gemeinde zu tragen.

So ist es verständlich, daß die FFW Münchshofen, wie alle übrigen Feuerwehren, bald keinen Vorstand mehr hatte, sondern einen "Führer", der in ständiger Fühlungnahme mit dem Bürgermeister und einem Parteiorgan die Direktiven des Staates entgegenzunehmen hatte.

"Führer" der FFW Münchshofen wird der in einem demokratisch geführten Verein, wie es die Wehr bisher war, hineingewachsene, idealistische Kommandant Josef Schmid (Tischler). Er dachte trotz aller mißlichen Umstände nicht daran, seine Ideale der Staatsräson zu opfern. Sein Idealismus war ungebrochen, stets bewahrte er seine demokratische Gesinnung, wenn ihn auch das neue Gesetz über das Feuerlöschwesen, die Pflichten während des 2. Weltkrieges, sowie die Pflichten der "Feuerschutzpolizei" immer mehr einengten. Treu hielt er seinen Posten, blieb sich selbst treu und bewahrte die Grundlage für die Wiedergründung nach dem Zusammenbruch 1945.

Ihren guten Ausbildungsstand stellte die FFW Münchshofen 1939 bei einem Leistungswettkampf unter Beweis, bei dem sie Sieger wurde.

Eine weitere Verbesserung beschloß man am 14. Januar 1940. Das Feuerwehrhaus sollte durch den Anbau eines Schuppens erweitert werden. Den dazu notwendigen Grund stellte Schmiedemeister August Beer zur Verfügung. In dieser Versammlung wurde der ehemalige, sehr aufgeschlossene Kommandant Josef Schmid, geboren am 10.08.1885, aufgrund seiner Verdienste um die FFW Münchshofen zum Ehrenkommandanten ernannt. Inzwischen entbrannte wieder ein Krieg. Wieder wurden viele Feuerwehrmänner zu den Waffen gerufen, sinnlos geopfert durch den Mißbrauch ihres Idealismus, in den Schlachten des 2. Weltkriegs verheizt. Wieder zeigte sich die Verbundenheit der in der Heimat Verbliebenen. Jeder im Kriegsdienst stehende Feuerwehrkamerad wurde mit einem Feldpostpäckchen bedacht. Wieder hielt Freund Hein reiche Ernte unter der Jugend der Welt. Wieder weinten Millionen von Müttern, Kindern und Bräuten um ihre Liebsten. Es gab keine "stolze Trauer", sondern nur abgrundtiefes Leid und bitteres Elend. Der Wahnsinn des Krieges offenbarte sich in den Millionen schlichter Holzkreuze. Ein Strom von Tränen ergoß sich in ein unsichtbares Meer. Auch die Reihen der Münchshofener Feuerwehr hatten sich gelichtet. Und als der Wahnsinnskrieg sein unrühmliches Ende fand, lag ganz Europa in Trümmern.

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